Mercy? No Mercy! Mercy Road

Jetzt möchte auch ich mal einen Beitrag schreiben und euch ein bisschen von meinem Weg zur Arbeit berichten.

Obwohl hier in den USA in jedem Haushalt scheinbar für jeden über 15 ein eigenes Auto zur Verfügung steht (an Deutschen Schulen gibt es viele Fahrradständer und hier viele Parkplätze!), hat Intel beschlossen, uns nur ein Fahrzeug zu bewilligen. Daher haben wir uns nach reiflicher Überlegung, dem Studium des amerikanischen Gebrauchtwagenmarktes und von Google Maps entschlossen, ein Fahrrad für meinen Weg zur Arbeit zu kaufen.

Elmar und sein Fahrrad

Laut Google Maps sollen es via dem Los Penasquitos Canyon Trail 15km zur Arbeit sein, und das ganze soll in 1 Stunde zu schaffen sein. Gleich vorweg: die Zeit habe ich noch nicht geschafft! Aber ich habe ja noch 11 Monate Zeit 🙂

Von unserer Community geht es erst mal bergab und dann entlang der Carmel Mountain Road ca. 3km stetig bergauf.

Am Anfang sind wir allerdings immer noch zu Zweit am Rad: mein innerer Schweinehund und ich! Und der Kerl ist schon gleich am Morgen mächtig gesprächig! Vor allem wenn wir uns am Tor der Community in die lange Schlange der Autofahrer mit einreihen kommen so Kommentare wie: „eigentlich könntest Du Dich doch von Marion zur Arbeit fahren lassen! Die Kinder hat sie doch auch gefahren!“ oder „kannst doch auch Home Office machen!“. Eine richtiges Moivationsgenie der Kerl. Zum Glück bin ich früh am Morgen immer noch ein bisschen schwerhörig!

Und zum Glück sucht sich der Kerl ab der Einfahrt in den Canyon einen andere Mitfahrgelegenheit!

Die Landschaft ist aber auch gewaltig!

IMG_0087_2

Und ganz hinten am Horizont kann man ganz klein auch schon die Arbeit erahnen!
Die Abfahrt in den Canyon hat es dann aber auch in sich und fordert volle Konzentration. Vor allem weil meist auch irgendwelche Hund mit ihrem Herrchen unterwegs sind oder an den ungünstigsten Stellen frische Pferdeäpfel liegen!

IMG_0086_2

Nach der Abfahrt sind es dann gemütliche 1.1 Meilen auf dem sandigen und breiten Trail bis zum Wasserfall. Und 3.9 Meilen bis zum Ranch House am Ende des Canyons.

IMG_3013


IMG_3025IMG_3032IMG_3038IMG_3041

Für den Wasserfall selbst habe ich meist wenig Augen weil natürlich dank Murphy genau an dieser Stelle ständig Gegenverkehr ist und der Trail dort recht schmal wird!

IMG_0095_2IMG_0094_2

Nach dem Wasserfall wird der Trail dann wieder breiter und es sind noch knapp 4,5km bis zum Ende des Canyons.

Die Landschaft ist herrlich und es fühlt sich definitiv mehr nach Urlaub an. Obwohl man Intel schon gut am Horizont erkennen kann. Aber wer will bei so einem Blick schon an Arbeit denken?

IMG_0107_2

Doch mit jeder Radumdrehung kommt das bittere Ende immer näher.
Und das bittere Ende ist in diesem Fall die Mercy Road (oder wie ich sie respektvoll nenne die No Mercy Road)!

IMG_0112_2


An dieser Stelle steigt auch mein innerer Schweinehund wieder zu und obwohl die Mercy Road noch recht harmlos losgeht kommt sofort wieder Text von ihm: „wer kommt eigentlich auf die Idee ein Bürogebäude auf den Gipfel zu bauen? Wer braucht schon Aussicht bei der Arbeit?“.
Selbst die sonst beim Berggehen zur Verfügung stehenden Motivationshilfen fehlen. Da oben wartet keine Jause, keine Hütte zum Einkehren, kein gigantischer Gipfelblick und noch nicht mal eine tolle Abfahrt nach dem Anstieg! Da oben wartet einfach nur: die Arbeit!
Aber es hilft ja nichts. Beim Anlegen der Mercy Road hat man definitiv nicht an Radfahrer gedacht! An einigen Stellen könnte man auch gut „die Strassen von San Francisco“ drehen. Zumindest in meiner Vorstellung wenn ich ich da hoch quäle!
IMG_0114_2
Leider kommt die Steilheit entweder auf den Bildern nicht wirklich rüber oder sie ist nur dank meiner fehlenden Kondition vorhanden! Und die Rennradfahrer die mich überholt hatten waren entweder gedopt oder sie hatten ein E-Bike! 😉

Auch der Radweg selber hat wohl eher eine grüne Alibifunktion!
Zum einen wurde zur Breite der Bike Lane auch der Rinnstein mit hinzu genommen. Und der ist hier eher abschüssig und hat gewaltige Löcher als Einlass zur Kanalisation, die meist durch keine Gitter geschützt sind. Bei einigen Löchern habe sogar ich Bedenken, dass ich ohne Probleme samt Fahrrad da rein rutschen könnte.
Und dann ist da die Führung des Radwegs selber. Am Ende der Mercy Road liegt eine Auffahrt auf den Highway. 2 Linksabbiegerspuren, 3 zum Geradeausfahren und 2 zum Rechtsabbiegen. Und der Radweg geht ganz rechts entlang und geradeaus weiter. Gerade im morgentlichen Berufsverkehr und da man in Kalifornien auch bei einer roten Ampel nach rechts abbiegen darf grenzt die Benutzung dieses Radwegs schon eher an Selbstmord. Ich habe bis jetzt immer den Gehsteig benutzt. Mal schauen wann mich mal ein Polizist anhält. Aber die Benutzen den Radweg ja selber gerne, um am Fahrbahnrand auf Verkehrssünder zu lauern.

Weiter über den Scripps Poway Parkway der nicht mehr ganz so steil ist. Kurz vor dem Ziel geht es dann nach links zu Intel. Auch hier bin ich wieder lieber über die Fussgängerampeln unterwegs.
IMG_0118_2IMG_0120_2



Noch 200 Meter leichtes Ausfahren und dann ist es geschafft. Intel ist erreicht.
IMG_0122_2

Das „Available“ bezieht sich auf die unteren 2 Etagen. Intel selber hat nur die 3. Etage gemietet. Ist ein noch kleiner Standort.


Der Blick zurück:
IMG_0121_2

Jetzt noch schnell das Fahrrad anketten (seltsamerweise gibt es tatsächlich einen sehr kleinen Fahrradständer für 3 Räder!) und eine Dusche genommen und dann geht es mit dem Lift (was sonst! Für das Treppenhaus braucht man eine extra Berechtigung die ich noch nicht bekommen habe!) zur Arbeit!


Kommentare

Mercy? No Mercy! Mercy Road — 3 Kommentare

  1. Also wenn du wirklich jeden Tag diese Etappe meistern darfst/musst, dann kann wird der Köppl nächstes Jahr vor Neid erblassen, wenn du ihn am Marienberg überholst und einfach links liegen lässt… 😀
    Sollen wir dich schon mal zum Quelle Challenge anmelden? 😉

  2. Hallo Elmar , sieht ja wirklich toll aus deine Anfahrt zur Arbeit und des alle Tage , da werden wir beim Berggehen in Zukunft keine Chance mehr haben . Du woast ja in Watzmann haben wir von dir no goat . Lg margret

  3. Hi Elmar,

    ich verstehe, dass es anstrengend ist!! Sage nur: Regensburg Bergetappe: Bhf – UKR!
    Jetzt fehlen aber noch online die Pulsmeßdaten und die GPS-tracking Daten, dann bist Du bereit für den RAAM………

    Lg
    tim

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert