Freitag, 30. Mai, mein Geburtstag. Heute werden Elmar, Henrik und ich fuer vier Tage nach New Orleans fliegen, mein Geburtstagsgeschenk. Ich freu‘ mich wie Bolle, hatte ich doch nicht damit gerechnet, in unserem Jahr hier in den Staaten diese Stadt zu sehen. Ist halt doch ’ne Ecke weg. Jamie wollten wir vor unserem Heimflug nach Deutschland nicht nochmal einen Flug zumuten und mit dem Auto dauert die Strecke eine Ewigkeit. Also hatte ich so getan, als ob mich New Orleans nicht wirklich interessiert. Ich kenne doch meinen Mann. Er würde es möglich machen, egal wie. Aber wie sollte das funktionieren? Hund, Schule, Zeit ….? Offensichtlich war ich nicht so gut in Tarnen und Täuschen, denn Elmar kam letzte Woche und hatte mal eben die Flüge gebucht, und ich sollte mich kurzerhand um das Hotel kümmern. Dazu drückte er mir noch einen Reiseführer über New Orleans in die Hand. Die Jungs hatte er auch schon für Freitag und Montag von der Schule befreit…. Von da ab hatte ich mal kurz Organisationsstress…., aber schönen. Wo wir absteigen würden, war relativ schnell klar, was wir alles machen würden – oh Gott, so viel. Eine Stadt voller Mythen, Geschichte und Craic, Party und Kultur, Architektur und Drama….. Na, dann mal los! Unser Flieger ging um 10.45 Uhr. Also auf zum Airport und erstmal frühstücken.
Anflug auf Dallas/Texas, unserem Zwischenstopp….
…. weiter zu unserem eigentlichen Ziel….
…. der Mississippi von oben…..
…. im Anflug auf New Orleans sieht man erstmal die Bayous, die Sümpfe ….
…..bis wir dann endlich nach sechs Stunden Flug gelandet sind…..
Mit einem Airportshuttle liessen wir uns zu unserem Hotel im Central Business District bringen.
Wir erkundeten erst kurz unsere Unterkunft für das Wochenende, bevor wir drei die Stadt unsicher machen wollten. So landeten die Männer mal eben schnell im Pool auf dem Dach des Hotels mit Rundumblick.
Ich muss mich korrigieren, wie man sehen kann. Elmar und Henrik landeten im 40 Grad warmen Whirlpool. Man glaubt es kaum. New Orleans ist an sich schon heiss (obere 30er) mit einer Luftfeuchtigkeit, dass einem das Shirt schon am Körper klebt, sobald man es nur in die Hand nimmt. Elmar probierte den Pool aus. Es war etwas frisch, ah ja.
So, nun mal auf ins French Quarter, dem wahren Zentrum und der Vergnügungsmeile der Stadt. Im Hotel hatte man uns einige Restaurants empfohlen. Wir waren natürlich aus auf typisch regionale Küche. Unser erster Versuch war das Bourbon House, eine Seafood & Oyster Bar.
Unsere ersten Austern – interessant, gut….. Wir werden sicher noch andere Varianten probieren. Das war nur die Vorspeise. Die Hauptgänge waren rein kreolisch, scharf und lecker. Mit einem Umweg schlenderten wir aber für heute erstmal zurück in unser Hotel. Die Betten riefen.
Der nächste Morgen bescherte uns einen ungewohnten Anblick.
Es goss in Strömen. Für New Orleans um diese Zeit nicht ungewöhnlich. Was hatten wir nicht? Schirme – na klar! Wer braucht in Kalifornien schon einen Regenschirm. So führte unser erster Weg in den nächstgelegenen Supermarkt.
Hier erstanden wir nicht nur die dringend benötigten Schirme, sondern bekamen auch noch gratis ein Dixiekonzert. Die Truppe marschierte einfach so durch die Regalreihen. Die Kunden lachten und tanzten, und wir bekamen einen ersten Eindruck von The Big Easy und dem Geist der Stadt.
Versehen mit Wetterschutz waren wir nun wieder im Rennen und gingen erstmal Richtung Mississippi und Riverwalk.
An vielen Häusern waren Tafeln angebracht, wer hier mal lebte oder was vor 200 Jahren hier stand.
Das meiste sagte uns nichts, aber das hier fanden wir lustig.
Die Canalstreet ist Dreh- und Angelpunkt der Street Cars, der historischen Strassenbahnen, die das alte New Orleans in fünf Linien durchfahren. Wir kauften Tagestickets für 3$ pro Nase und schon waren wir viel mobiler. Einerseits konnten wir dem Regen entfliehen und uns andererseits einen grösseren Überblick verschaffen. (Ist ja der Hammer, mir ist gerade aufgefallen, dass ich nicht ein Foto von den roten Street Cars habe. Da hab‘ ich zwar 100 Fotos aus der Bahn raus gemacht, aber von den Bahnen selber nur die St. Charles fotografiert, Schande!!!)
Mit vielen anderen nassen Leuten fuhren wir nun per Street Car weiter, schauten kurz auf den Fluss…
….etwas trist…. und marschierten bald wieder Richtung French Quarter…..
Hier fanden wir ein nettes kleines Bistro mit passablen Kaffee und lecker Croissants. Frisch gestärkt liefen wir weiter durch Seitenstrassen. New Orleans ist auch bekannt für die geschmiedeten Balkongeländer und Verzierungen. Bei dem Regen und der Luftfeuchtigkeit ist die Instandhaltung vermutlich ein Vollzeitjob 😉 .
Der Regen machte schliesslich auch mal Pause, und schlagartig wurde es wieder richtig heiss. Nicht dass es vorher im Regen abgekühlt wäre, nee, der Regen selber hatte ja auch Badewannentemperatur, aber sobald die Sonne auch nur einen Millimeter durch die Wolken blinzelte, fingen die Fluten an zu verdampfen. Ruckzuck waren die Klamotten nass, davor konnte auch kein Schirm schützen. Doch wir sind ja anpassungsfähig. Inzwischen war es wurscht, wie wir aussahen, dass sich die Haare ringelten wie bei Medusa, dass man bespritzt war bis zum Allerwertesten, dass das ganze Shirt ein einziger Schwitzfleck war…. Hier sahen tagsüber alle so aus. Man trug auch Gummistiefel zum Minikleid. Nur Touristen hatten Sandalen und Socken an. Wir trugen Flipflops 😉
Kein Wunder dass hier alles wuchert und blüht!
Nun zog es uns weiter zur St. Louis Cathedral mit eindrucksvollen Deckengemälden und Buntglasfenstern. Beim Reingehen wurden wir jedoch von der Polizei aufgehalten. Im Moment kein Zutritt, geschlossene Veranstaltung. Und das war der Grund:
Dann kommen wir halt später wieder. Wir haben ja Zeit…..
…. weiter durch kleine Gassen, vorbei an kleinen Läden….. Henrik maulte inzwischen wegen dem „ewigen Gelatsche“ – er wollte später eigentlich auf’s Laufband. Das versteh‘ ich jetzt nicht 🙂 🙂
….. so landeten wir irgendwann wieder am Mississippi ….
….. überlegten kurz, ob wir eine Runde mitfahren ….. liessen die Natchez aber ziehen und entschieden uns für eine Route der Street Cars, die uns zu den historischen Friedhöfen bringen sollte. Damit sahen wir auch noch einiges vom weniger zentralen New Orleans.
Südstaatencharme – so wohnt man hier, jedenfalls meistens. Nach einer relativ langen Fahrt kamen wir zu den grossen Cementeries. Hier sollte die Voodooqueen Marie Laveau liegen und ebenso ein Denkmal für Louis Armstrong sein….
….. nur leider war hier nicht viel historisch. Das war einer der aktuellen, ganz normalen Friedhöfe. Die Toten werden in New Orleans nicht wie bei uns begraben. Dafür ist der Grundwasserspiegel zu hoch. Diese Mausoleen sind absolut üblich, auch sehenswert in ihrer Gestaltung, aber eben nicht, was wir gesucht hatten. Hätte ich mal genauer auf die Karte geschaut, wäre mir vielleicht aufgegangen, dass wir viel zu weit gefahren waren. Das fiel Elmar nach einem kurzen Blick sofort auf, alter Streber…. Es kam natürlich wieder zu Witzeleien über meinen rudimentären Orientierungssinn. Ich versteh‘ gar nicht, was das Gegackere soll. Irgendwas finde ich doch immer 😉
So ging es von hier aus erstmal wieder zurück ins Hotel. Die Friedhöfe schliessen hier schon sehr früh. Wir hätten keine Chance mehr auf den „richtigen“ zu kommen. Morgen ist auch noch ein Tag.
Im Hotel gab’s erstmal eine Runde Pool und ’ne schnelle Dusche, bevor wir uns ins Nachtleben stürzen würden. Frisch abgebraust und in sauberen Klamotten nahmen wir die St. Charles und fuhren in Richtung Bourbon Street.
Es war Samstag Abend. Die Vergnügungsmeile füllte sich zusehend mit Partywilligen, Touristen wie Einheimischen, Abgedrehten, Junggesellenabschieden, Kiffern, Dealern, Prostituierten, Musikern, Bekloppten und stinknormalen Langweilern, die zum Gucken gekommen sind ( 😉 ) . Ich versuchte so viel wie möglich auf Bildern festzuhalten. Elmar meinte, ich solle aufpassen, könnte mit dem ein oder anderen Schwierigkeiten bekommen. Aber hee, wenn man so rumläuft, will man doch auffallen. Ausserdem fotografiere ich ja immer nur die Häuser dahinter, gell, war er/sie/es halt grad im Weg.
Der Prinzessin hatte mich jedenfalls sofort entdeckt und stand schon nach zwei Sekunden neben mir. Er nahm es aber lustig und wollte ein Foto mit Henrik machen.
…. noch ein Popo- Bild für uns und weiter……
Der Abend war noch jung, und wir hatten erstmal Hunger. Zum Glück hatten wir über unser Hotel einen Tisch bestellen lassen, sonst hätten wir echt Pech gehabt. Auch mit Reservierung mussten wir noch einige Minuten warten – in der Bar, haha, in die Henrik noch nicht reindarf, lustig.
Es ging aber dann doch schnell, wir bekamen einen Tisch und der Service war superschnell. Wir hatten mal wieder etwas Einheimisches. Mein Lachs war absolut phantastisch. Henrik hatte ein kreolisches Hähnchen und Elmar einen speziellen Weissfisch, ebenfalls nach kreolischer Art.
Gut, ich hätte es am Anfang fotografieren sollen. Da sah’s besser aus 🙂
Frisch gestärkt machten wir uns nun auf die Piste.
Von den Balkonen warfen die Leute bunte Glitzerperlenketten herunter. Wir haben auch einige gefangen. Henrik wurde einige Male angerufen und sollte mit Ketten beworfen werden, aber er wollte nicht nach oben schauen. Eine hat Elmar gefangen, vier ich, Henrik wollte keine, Spassbremse.
In sämtlichen Lokalen war Livemusik, von Jazz (klar) über Dixie, Rock und Pop. Leider durfte Henrik nirgendwo hinein, da er noch keine 21 Jahre alt ist. So haben wir hier und da von aussen zugeschaut, Leute beobachtet, ein bisschen gelästert…. und Fotos gemacht.
Die Leute auf der Strasse waren eh fast interessanter.
Macht echt Spass hier, alle sind gut drauf. Man kommt ganz schnell ins Gespräch, nur leider nirgendwo rein 🙁
…. und gingen allmählich ins Hotel zurück.
Am Sonntag wollten wir mal ein anderes Stadtviertel erkunden. Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem St. Charles Street Car in den Garden District, das Villenviertel, Ziel der historische Lafayette Cementery. Hier wurden unter anderem Szenen für Filme wie „Interview mit einem Vampir“ gedreht. Die Schirme hatten wir in weiser Voraussicht wieder dabei.
Diese Strasse ist übrigens eine Paradestrasse an Mardi Gras, dem Karneval in New Orleans. Überall hängen noch die Ketten in den Bäumen.
Irgendwo unterwegs in der St. Charles Avenue hätten wir wegen einer Baustelle auf einen Bus umsteigen sollen. Doch es regnete gerade nicht und so beschlossen wir durch Nebenstraßen zu laufen.
Hier sah alles schon ein bisschen heruntergekommener aus, war aber noch okay. Mich fasziniert ja immer wieder, dass aus jeder noch so kleinen Mauerritze Pflanzen spriessen.
Doch bald sollte sich der Eindruck gewaltig ändern. Eigentlich ist es kaum vorstellbar, dass sich ein soziales Klientel und der Zustand eines Viertels nur mit dem Überqueren einer Strasse so extrem verschiebt, aber so war es.
Hier leben tatsächlich Menschen. Teilweise sassen sie aussen auf Treppen und starrten uns an, manche mit Flasche oder Dose in der Hand, andere standen nur blöd in der Gegend herum, kifften oder stritten sich. Die Gehsteige waren völlig kaputt, teils fehlten Platten, andere standen schief wegen durchbrechender Baumwurzeln. Überall stapelte sich Müll, dazwischen immer wieder mal ein Dreirad oder sowas wie ein Bobby Car. Einfach unbeschreiblich! Die Extreme traute ich nicht zu fotografieren. Ich bin sicher, das wäre als Provokation aufgefasst worden. Wir machten einfach nur, dass wir wegkamen.
Schliesslich kamen wir am Lafayette Cementery an.
Henriks Kommentar: „Und, sollen wir jetzt durchschwimmen?“ Nee, natürlich nicht. Es gibt ja noch einen anderen Eingang.
Das Grabmal wurde für eine Feuerwehrkompanie errichtet.
Dies soll das Grab von Lestat, dem Vampir, sein. Ist es laut Aufschrift aber nicht.



Viele deutsche Immigranten schon aus dem 18. Jahrhundert wurden hier beigesetzt. Unzählige davon waren Opfer einer grossen Gelbfieberepidemie.
Wir fanden noch ein kleines Cafe in der Gegend, ein schneller Imbiss, dann wollten wir auch langsam wieder zurück in die sichere Zivilisation. Beim Warten auf das Street Car angelte Elmar noch ein bisschen – mit Erfolg, obwohl einige ganz schön hartnäckig waren.
Nun wollten wir es nochmal bei der St. Louis Cathedral versuchen. Henrik hatte jedoch keinen Bock mehr und stieg beim Hotel aus. Wir zogen allein weiter.
Diesmal hatten wir Erfolg und konnten die Kathedrale besichtigen.
Das Wetter war ausnahmsweise mal schön, so dass wir weitergingen zum richtigen St. Louis Cementery. Der schloss allerdings sonntags schon um 12.00 Uhr. Was soll’s. Die Füsse hielten noch durch und wir suchten uns neue Nebenstraßen.
Ein letzter Abend in New Orleans. Im Hotel hatten wir schon etwas gegessen. Hunger hatte niemand. Wir wollten nur noch ein bisschen bummeln.
…. nochmal am Mississippi entlanggehen …..
….. tanzenden Menschen auf der Strasse zusehen …..
….. Motorräder bestaunen ….
…. einen Beach Boys Verschnitt zuhören ….
….. Freaks bestaunen….. und dann nicht schnell genug wegrennen können. Der letzte hat das durchaus als Einladung angesehen, mich umarmen zu wollen. Ich war aber wendig genug, dass er nur meine linke Schulter erwischt hat. Appetitlich ist anders, aber lustig war der schon.
Das war auch schon unser letzter Abend in BIG EASY. Gut, Sonntag Abend war deutlich weniger los als am Abend zuvor. Ist ja auch logisch. Morgen früh heisst es dann packen und vielleicht noch ein bisschen laufen.
























































































































































































